Bonjour meine Lieben,
tja, es gibt viel zu erzählen, schließlich hatte ich ein mit Programm vollgestopftes Wochenende und für mich hat hier außerdem die Schule begonnen.
Über das Wochenende werde ich jetzt aber erst mal nicht berichten, das hole ich dann später nach. Ich verspreche euch auch, Bilder mitzuliefern!
Aber nun zum Thema Schule. Am Montag war mein erster Schultag, wie geplant. Direkt vor unserem Haus hält der Schulbus, sodass ich direkt dort einsteige und erst in der Schule wieder aussteige. Sehr praktisch. Am Montag hatte ich ein ganz komisches Gefühl, weil der Bus extra für mich anhält. Bis wir die Schule dann erreicht haben, vergehen dann morgens ca. 25 Minuten, in denen der Bus drei Mal hält.
Montag wusste ich erst mal gar nicht, wo ich hinmusste, nachdem ich aus dem Bus gestiegen war. Ich konnte mich auch an niemandem orientieren, da ich ja erstens niemanden kannte und zweitens alle in unterschiedliche Richtungen liefen. Hm. Da stand ich also nun. Ich zögerte kurz, entschied mich dann aber ganz einfach für den nächstgelegensten Eingang und stemmte die schwere, kalte Eisentür auf. Es roch nach Schule. Es war ca. 7:25 Uhr, also noch eine knappe halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn. Ich wusste, dass ich mich bei der "Aufsicht" meiner Jahrgangsstufe vorstellen sollte und in der Hosentasche hatte ich einen Zettel mit ihrem Namen. Wo sollte ich sie bloß finden, in diesem riesigen Gebäude? In welche Richtung sollte ich laufen? Ich stellte mir vor, wie ich hektisch und orientierungslos durch die Gänge laufen würde und entschied mich deshalb, jemanden zu fragen. Kurz entschlossen lief ich auf zwei Mädchen zu, die sich unterhielten und fragte nach der besagten Frau. Sie wussten den Weg und beschrieben ihn mir. War ganz einfach. Nur um zwei Ecken und schon war ich da. Zum Flur hin hat ihr Büro eine Glaswand, sodass ich gleich sehen konnte, dass sie da war. Sie war gerade dabei, ihren Computer anzuschalten und die Tür ihres Büro war noch abgeschlossen. Ich wartete und als sie auf mich aufmerksam wurde, schloss sie mir die Tür auf, obwohl -wie ich einem Zettel an der Tür entnehmen konnte- sie normalerweise erst später für Schüler zur Verfügung steht. Sie hielt mir mit einem freundlichen "Bonjour!" die Tür auf und bat mich, mich doch bitte noch einen Moment zu gedulden. Ich setzte mich auf einen Stuhl und wartete.
Langsam füllte sich der Flur und ein Schüler nach dem anderen kam herein, um etwas zu fragen, etwas mitzuteilen, eine Unterschrift oder einen Stempel abzuholen.
Ich wartete.
Es klingelte und allmählich wurde es leiser, weil alle Schülerinnen und Schüler in ihre Räume verschwanden. Ich wartete.
Später irgendwann begann die "Aufsicht" dann, sich mir zuzuwenden. Sehr nett und bemüht langsam zu sprechen, erklärte sie mir, was wir jetzt machen wurden.
Als Erstes zeigte sie mir dann meinen Spint, in dem ich alle meine Bücher lassen kann, die ich gerade nicht brauche, damit ich sie nicht mit mir herumschleppen muss. Sie gab mir den Code für das Sicherheitsschloss und forderte mich auf, den Schrank zu öffnen. Ich hab es allersings irgendwie nicht hinbekommen, weil ich so ein Schloss noch nie vorher gesehen, geschweigedenn benutzt hatte. Sie half mir, gab den Code an, rüttelte und das Schloss liess sich öffnen. Ich sollte meine Jacke und meinen Rucksack hinein stellen, aber da ich ja wusste, dass ich den Schrank allein nicht aufbekommen würde, behielt ich meinen Rucksack lieber auf dem Rücken und hängte nur meine Jacke hinein. Später stellte sich heraus, dass jeder mit seinem Rucksack oder seiner Tasche in der Schule rumläuft. Meine Bücher waren nun alle im Spint verstaut und die "Aufsicht" brachte mich zu dem Raum, in dem ich laut meines Stundenplans gerade Unterricht hatte. Sie stellte mich kurz der Lehrerin vor und alle starrten mich an. Darauf war ich vorbereitet und schaute einfach einmal in die Runde. Mir wurde ein Platz hinten in der Ecke des Raumes zugewiesen ud während ich den Tisch ansteuerte und mir einen Weg durch die Tische bahnte, fühlte ich ca. dreiig Augenpaare, die mir folgten. Dann ging der Unterricht ganz normal weiter. "Form personne" entnahm ich meinem Stundenplan. Ich verstand überhaupt nicht, worum es ging. Na ja, eigentlich schon. Ich weiß, dass es um Abkürzungen ging und um Lese-Methoden; aber was für ein Fach das ist? Keine Ahnung. Vielleicht so etwas wie Methodentrainig...
Nach dieser Stunde ging es erst mal mit Physik weiter. Als ich nach 15-minütigem Suchen endlich den Raum erreicht hatte, war ich fast zu spät. Ich peilte sofort das Lehrer-Pult an und stellte mich vor. Als Antwort bekam ich ein Nicken und dann (übersetzt:)"NOCH eine Austauschschülerin??!" Das war's. Ich wurde unfreundlich an einen Tisch in der letzten Reihe geschickt. Dann fragte mich der Lehrer, ob ich den mein Material habe. Ich rutschte ein bisschen auf meinem Stuhl hin und her. Das, hatte ich gehofft, würde er mich nicht fragen, zumindest nich heute in der ersten Stunde... "Nein", sagte ich dann und versuchte ihm klarzumachen, dass ich nicht an meine Bücher kam. Da ich wusste, dass es sich arg peinlich anhören würde, wenn ich ihm und der ganzen Klasse als Zuhörer erzählen würde, dass ich nicht in der Lage war, meinen Schrank zu öffnen, sagte ich, dass das Schloss klemmte. Anscheinend hatte ich mich nicht klar ausgedrückt. Ungläubig wiederholte er meinen Satz. Danach fügte er noch etwas für die Klasse hinzu, was ich glaub ich gar nicht verstehen sollte und alle lachten. "Tjaaaa", dachte ich, "gut, Leute, lasst uns anfangen, uns der Physik zu widmem..." Als hätte der blöde Typ meine Gedanken gelesen, fing der Lehrer endlich mit dem Unterricht an; nicht ohne mir vorher zu befehlen, mich mit meinem Tisch neben ein anderes Mädchen neben mir zu setzen. Zum Glück war das Mädel sehr nett und half mir, alles ein bisschen zu verstehen. Na ja, verstanden hab ich eigentlich nichts, aber sie hat mich abschreiben lassen, sodass ich Notizen machen konnte, die ich dann später in mein Arbeitsheft übertragen würde.
Nach Physik war Englisch an der Reihe. Darauf war ich echt gespannt. Da ich mir sicher war, den Raum wieder nicht zu finden und ich außerdem wusste, dass ich für dieses Unternehmen dieses Mal nur 10 Minuten Zeit hatte, machte ich mich auf den Weg zur Aufsicht und bat die gute Frau, mir doch nochmal zu helfen. Sie brachte mich also zu Englisch und stellte mich wieder dem Lehrer vor. Mein Englischlehrer it ein ganz lieber Mann. Mitte Fünfzig, sehr nett und verständnisvoll. Er kann sogar ein bisschen Deutsch und übersetzte mir sogar Manches. Voll nett. Wenn das auch nicht unbedingt nötig war, da ich von seinem Unterricht, der ausschließlich auf Englisch stattfand, alles verstand. Ich fand es trotzdem nett. Englisch ist jedenfalls super. Wir lesen Texte und bekommen Fragen dazu, besprechen Comics via Overhead-Projektor und führen einfache Diskussionen. Nicht viel anders als in Deutschland eigentlich.
Für nächste Woche hat mein Englischlehrer dann auch prompt eine Arbeit und einen Verbentest engekündigt. Die Verben sind zu lernen, die meisten davon kenne ich ohnehin schon. Für die Arbeit ist ein Text zu lesen, wovon ich die ersten drei Kapitel schon ma ganz gut verstanden hab. Fest dteht zumindest: Ich werde kein leeres Blatt abgeben müssen. Im Gegensatz zu Physik...
Nach Englisch hatte ich dann erst mal Mittagspause. Ich verließ also den Raum mit allen anderen und machte mich auf die Suche nach dem Weg zur Cafeteria. Etwa 10 Minuten war ich wieder herumgeirrt und teilweise im Kreis gelaufen, da kam mir glücklicherweise Andréanne entgegen, die ich schon aus dem Reitstall kannte. Sie stelle mich ihren beiden Freundinnen Audréanne und Emelie vor. Dann zeigte sie mir den Weg und wir aßen zusammen. Richtig nett. Später half Andréanne mir dann auch, meinen Schrank zu öffnen und jetzt habe ich das Prinzip auch endlich verstanden... ;-) Beim Vergleich unserer Stundenpläne stellten ir außerdem fest, dass ich so manche Stunde mit Audréanne habe. Ich mag zwar Andréanne ein bisschen lieber und finde es echt schade, dass ich mit ihr gar keinen Kurs habe, aber Audréanne ist auch richtig lieb und hat mir in meinen ersten vier Schultagen immer geholfen, wenn ich sie darum gebeten habe. Ich bin total froh, dass ich die drei habe!
Nach der Mittagspause hatte ich dann mein Wahlfach. Spanisch. Das war echt lustig. Ich bin nämlich in einem Kurs, in dem man gerade anfängt zu lernen wie man regelmäßige Verben im Präsens konjugiert... Echt amüsant, aber auf die Dauer auch echt langweilig nach zwei Schuljahren Spanisch bei Herrn K. ...! Na ja, ein Fach weniger, für das ich hart arbeiten muss. In Spanisch hab ich übrigens auch ein nettes Mädchen kennengelernt, die sich extra neben mich gesetzt hat, um ihr Buch mit mir zu teilen (wegen Büchermangel in der Schulbibliothek). Da ich den Stoff in Spanisch ja schon komplett kann, ziehen wir beide daraus Vorteile. Das Mädchen ist sehr nett und ich verstehe mich echt gut mit ihr. Bis jetzt hat sie mich nach jeder Spanischstunde zu meinem nächsten Raum begleitet, um sicherzugehen, dass ich dort rechtzeitig ankomme...;-)
Mathe ist übrgens auch ganz okay. Auf Französisch ein bisschen komliziert, aber mit vernünftigen Mitschriften und so... mal sehen, aber ich denke, dass ich das irgendwie schaffen werde. Kommt ja auch erst mal nicht auf die Noten an... Wirtschaft ist zum..., mein Lehrer hat einen sehr starken Akzent und ich muss mich sehr bemühen, um ansatzweise zu verstehen, was er sagt. Glücklicherweise schreibt er viel an die Tafel und ich hab ein Buch, in dem ich alles nachlesen kann. Ich versteh zwar das Wenigste, aber egal. Französisch ist super, da meine Lehrerin wirklich nett ist. Jede Stunde kommt sie zu mir, fragt mich wie es mir geht und ob ich etwas verstehe. Da wir gerade einen französischen Roman lesen, ist natürlich für mich alles ziemlich kompliziert. Also hat sie mir angeboten, einen einacheren Roman zu lesen. Nett, oder? Ich mag sie jedenfalls und kann mir vorstellen, dass ich gut mit ihr klarkommen werde.
Soweit erst mal von der Schule. Nochmal kurz: Das Schulgebäude ist riesig und es sieht überall gleich aus, sodass man sich am Anfang eigentlich nur verlaufen kann. Meine Lehrer sind im Durchschnitt schwer in Ordnung und ich kenne schon ein paar nette Leute. Der Transport mit dem Schulbus ist praktisch und unkompliziert.
Mal sehen, wie es so weitergeht. Ich hoffe, dass ich irgendwann, in absehbarer Zeit, einen besseren Durchblick habe, was die Räume betrifft...
Ich berichte euch weiterhin und morgen (also bei euch heute :-)) schreibe ich euch noch mal vom großen Turnier-Wochenende in den Bergen. Fotos versprochen!
Liebe Grüße erst mal und passt auf euch auf! Ich hab euch lieb und vermisse euch!
Eure Frauke